Tipps und Griffe, die im Notfall Babys das Leben retten

Notfall „Verschlucken“. Teilnehmer üben das Klopfen auf den Rücken der Babypuppe mit der Fliegergriffhaltung.Foto: C. Lewinsky

Notfall „Verschlucken“. Teilnehmer üben das Klopfen auf den Rücken der Babypuppe mit der Fliegergriffhaltung.Foto: C. Lewinsky

Mit seinem Erste-Hilfe-Kurs am Kleinkind und Baby füllte Christopher Klensch am vergangenen Samstag das Familienzentrum. Rege beteiligten sich 13 Frauen und Männer aus Eppstein, Lorsbach und Kelkheim drei Stunden lang.

Klensch ist selbst seit zehn Jahren im Rettungsdienst tätig und erfuhr während seiner Ausübung, dass einige Rettungseinsätze weniger dramatisch oder sogar unnötig wären, wenn alle Eltern geschult wären. Unterstützt wird er von Ehefrau Helen, gelernte Kauffrau, auch beim Kaffee- und Teekochen. Den Eltern erklärte er, wie die Rettungskette funktioniert, dass die 112 im Notfall die erste Nummer ist, die gewählt werden sollte. Im Zweifelsfall ist der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, außerhalb der Öffnungszeiten der Kinderärzte erreichbar. Die Giftnotrufnummer 06 13 11 92 40 ist in den meisten neuen Handys standardmäßig gespeichert. Je nach Wohnort benötigt der Rettungsdienst 8 bis 15 Minuten, um zum Unfallort zu gelangen.

Die Teilnehmer wussten von giftigen Gefahrenquellen im Haushalt. Allerdings wies der Referent darauf hin, dass in der Natur fast überall giftige Pflanzen wachsen. Um Kinder von einer Gefahrenquelle fernzuhalten, führte Klensch den als Rautekgriff bekannten Rettungsgriff vor. Sie erfuhren, wie Steckdosen gesichert werden und, dass die Versicherungen im Falle eines Steckdosenbrands bei eingeklebten Steckdosensicherungen nicht zahlt, oder, dass Kleinkinder beim Hinaufklettern auf Möbel gequetscht werden können. Möbel sollten, wenn möglich, an die Wand gedübelt werden.

Im Falle von Bewusstlosigkeit, beginnt der Helfer mit den drei A‘s: Ansehen, Ansprechen, Anfassen. Kann das Kind atmen, wird es ab dem dritten Lebensjahr in die stabile Seitenlage gebracht. Schwangere werden auf die linke Seite gelegt. Ein Baby legt man seitlich auf den Bauch, einen Arm nach oben, der Kopf sollte immer der tiefste Punkt sein. Atmet es nicht, beginnt der Ersthelfer mit der Reanimation auf festem Untergrund. Gut geeignet, ist bei Babys der Wickeltisch. So übten alle Teilnehmer in Zweiergruppen die stabile Seitenlage.

Der Fieberkrampf wurde besprochen. Man kann bei schnell ansteigender Temperatur, präventiv neben Medikamenten, Bauchwickel beim Baby und Wadenwickel beim Kleinkind anwenden. Zu kalte Wickel können zur Bewusstlosigkeit führen. Wenn ein Fieberkrampf auftritt, das Bett weitestgehend leerräumen, abwarten und nichts machen.

Der Rettungsdienst muss gerufen werden, da durch den Krampf neurologische Schäden möglich sind. Die Wartezeit auf die Rettungssanitäter nutzt man bestenfalls, um die Dauer des Krampfes mit der Uhr zu stoppen. Diese Information hilft dem Arzt bei der Medikation. Die Zunge verletzten sich die am Krampf Leidenden grundsätzlich nicht, das Benutzen eines Beißkeils ist veraltet.

Die Angst vor dem Plötzlichen Kindstod konnte Klensch den Zuhörern nehmen. Die Zahlen der Todesfälle durch plötzliches Aussetzten der Atemwege ist stark gesunken. Vorbeugend sollte die Raumtemperatur zwischen 16 und 18 Grad liegen.

Sollte sich ein Mensch verschlucken, erkennt man dies am roten Gesicht, Husten und daran, dass er sich an den Hals fasst. Babys bis zu einem Jahr, hält man in solch einem Fall ähnlich dem Fliegergriff bäuchlings, den Kopf auf der Hand etwas tiefer. Ist das Baby etwas größer, legt man das Kind dazu auf den eigenen Oberschenkel und klopft ihm fünf Mal relativ fest zwischen die Schulterblätter.

Löst sich dabei nichts, dreht man das Kind auf den Rücken, drückt mit Zeige- und Mittelfinger fünf Mal die Brust ein und ruft sofort die 112 an. Ab dem dritten Lebensjahr wendet man den Heimlich-Griff an. Dabei greift man von hinten unter den Achseln durch, legt die geballte Faust zwischen Bauchnabel und Brustbeinende und umfasst die Faust mit der anderen Hand und drückt bis zu fünf Mal fest zu. Wird das Kind ohnmächtig, entspannt sich Rachen und Hals, was zum Lösen der Verstopfung führen kann.

Setzt der Atem aus, muss reanimiert werden. Bei Babys wird fünf Mal so viel Luft in Mund und Nase gepustet, wie in den eigenen Mund passt, dann dreißig Mal der Brustkorb mit zwei Fingern gedrückt, ziemlich schnell. Dazu kann man das Baby mit den Händen umfassen, sodass beide Daumen benutzt werden können. Ab dem dritten Lebensjahr drückt man einhändig, mit der flacher Hand und bei einem Jugendlichen oder Erwachsenen zweihändig. Dies übten die Eltern, Großeltern und Betreuer an einer Baby- und Jugendpuppe.

Als letzter Punkt wurden Verbrennungen besprochen. Man kühlt sie und muss wissen, dass Brandblasen nicht geöffnet werden, weil darunter die Haut besser heilt. Als Faustregel sollte man sich merken, dass der Rettungswagen gerufen werden muss, wenn die Verbrennung die Größe der Handfläche des Verbrannten, also ein Prozent der Hautfläche, überschreitet.

Die Teilnehmer lobten die praxisorientierte Schulung, die Klensch mit viel Humor gestaltete. Seine Frau verteilte mit ihm die Urkunden. Weitere Kurse sind in Planung, zum Beispiel ein „Erste-Hilfe-Kaffeetrinken“ mit Senioren. ccl

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