Zum Welt-Down-Syndrom-Tag

Der sechsjährige Oskar El-Duweik besucht die Kita Ringelsocke.Foto: privat

Der sechsjährige Oskar El-Duweik besucht die Kita Ringelsocke.Foto: privat

Fröhlich und aufmerksam blickt der sechsjährige Oskar vom Klettergerüst im Garten seines Kindergartens „Ringelsocke“ in die Welt. Sein Statement „Ich will Teil der Gesellschaft sein!“ ist eines von 20 ähnlichen auf einer Plakatserie, die Menschen mit dem Down-Syndrom zeigt.

Das Plakat ist Teil einer Aktion des Vereins „21maldrei“ zum Welt-Down-Syndrom-Tag am 21. März. Den Verein haben Eltern aus dem Rhein-Main-Gebiet 2019 gegründet, deren Kinder wie Oskar eine Chromosomenabweichung, auch Trisomie 21 genannt, aufweisen.

Mit einer Ausstellung dieser Plakate, die am morgigen Welt-Down-Syndrom-Tag im Frankfurter Dialog-Museum eröffnet wird, will der Verein auf die Bedürfnisse von Menschen aufmerksam machen, die mit dieser Beeinträchtigung leben.

Oskars Mutter Juliane El-Duweik regte im Kindergarten ihres Sohnes in Ehlhalten an, dass sich dort die Kinder an den Aktionen zum Welt-Down-Syndrom-Tag beteiligen. „Das passte schon wegen des Namens ,Ringelsocke’“, sagt sie lachend, denn bunte Socken seien so etwas wie das Wahrzeichen des Welt-Down-Syndrom-Tags. Deshalb gestalteten die Jungen und Mädchen der Kita Ringelsocke in einer großen Tischrunde aus Mal- und Bastelvorlagen des Vereins „21maldrei“ jede Menge unterschiedliche Socken: Manche wurden bunt bemalt, andere mit Federn, Wolle oder bunten Papierschnipseln beklebt und am Ende gut sichtbar an der gläsernen Eingangstür zum Kindergarten aufgehängt.

„Eine tolle Aktion“, lobt Tanja Holz, seit Januar neue Kindergartenleiterin der Einrichtung in Ehlhalten. Auch für ihr Team sei das Thema Trisonomie 21 und Inklusion von Menschen mit Entwicklungsverzögerungen ein spannendes Feld. Mit den Kindern wurde über die Einzigartigkeit jedes Menschen gesprochen. An einem Tag trugen sie alle bunte Socken und ließen sich damit fotografieren. Denn am Welt-Down-Syndrom-Tag tragen viele Menschen aus Solidarität zwei verschiedene Socken. Socken haben die Form eines Chromosoms und bunte Socken stehen für Vielfalt. Mit dem Tragen verschiedener Socken soll die Öffentlichkeit sensibilisiert werden für Menschen mit Down-Syndrom.

Für Oskar, dessen kleiner Bruder Theodor auch schon die Kita Ringelsocke besucht, beginnt im Sommer ein neuer Lebensabschnitt. Dann kommt er im Rahmen der Inklusion in die Grund-Schule. Noch stehe nicht fest, in welche, sagt Juliane El-Duweik.

Bunte Socken in der „Ringelsocke“

El-Duweik hofft, dass Oskars Start dort genauso gut ist, wie im Kindergarten: „Es ist einfach schön zu sehen, dass die Kinder keine Berührungsängste haben und Oskar akzeptieren, wie er ist.“ Auch in Ehlhalten, wo die Familie lebt, sei Oskar bekannt und werde oft gegrüßt. „Wir sind ja viel unterwegs“, sagt El-Duweik und freut sich, dass der Kerbeverein schon angefragt habe, ob Oskar nicht bei den Kohlestibbelchen mitmachen wolle. „In Ehlhalten funktioniert Inklusion“, sagt die Mutter von vier Söhnen.

Jetzt ist die Familie gespannt, wie es in der Schule weitergeht. Inklusion ist in beiden Eppsteiner Grundschulen Thema. In der Comenius-Schule gebe es aktuell noch ein anderes Kind mit Down-Syndrom. Ansonsten kenne sie in Eppstein noch einige Familie mit älteren Kindern und sei dank des Vereins und einer Therapiegruppe der Praxis für Entwicklungspädagogik in Mainz gut vernetzt mit anderen Familien.

Kinder mit Down-Syndrom haben einerseits besondere Fähigkeiten, so sind sie oft sehr empathisch, besitzen eine große emotionale Intelligenz und die Fähigkeit, visuell zu lernen; dafür sind möglicherweise Bewegung, Sprache und Lernverhalten beeinträchtigt und müssen besonders und individuell gefördert werden.

Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie oder Frühförderung müssen zum Teil schon kurz nach der Geburt in den Alltag integriert werden. Auch treten manche Erkrankungen häufiger auf als bei anderen Kindern. Viele Menschen mit Trisonomie 21 haben beispielsweise angeborene Auffälligkeiten am Herzen, Kinder leiden häufig unter Infektionen der oberen Atemwege oder Mittelohrentzündungen. Kinderärzte sollten sich also mit den medizinischen Besonderheiten dieser Kinder auseinandersetzen.

Umso wichtiger sei es für Oskar, dass er „ganz selbstverständlich dazu gehört, auch wenn er nicht alles so kann wie andere Kinder“, sagt seine Mutter.bpa

Weitere Artikelbilder:

Kommentare

Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben


X