Titel wie „Treten Sie ein…, „Verlieren Sie sich…“, „…in Details“ unter den Bildern dieser Serie fordern die Betrachter dazu auf, sich auf die ungewöhnliche Architektur einzulassen.
Die Fotografin ist eine von vier neuen Mitgliedern, die sich der Fotogruppe des Kulturkreises im vergangenen Jahr angeschlossen haben. Wie die anderen Neuzugänge der Gruppe nahm sie zum ersten Mal an den „Eppsteiner Fototagen“ teil, die die Fotogruppe alle zwei Jahre ausrichtet. An der aktuellen Ausstellung, die am vergangenen Wochenende im Blauen Saal im Rathaus I zu sehen war, nahmen 13 der 17 Gruppenmitglieder teil.
Zur Vernissage am Samstagvormittag hätten sich die Aussteller ein paar Zuschauer mehr gewünscht, insgesamt waren sie jedoch sehr zufrieden mit dem Besuch. „Es war ein ständiges Kommen und Gehen und viele Besucher waren interessiert an den einzelnen Aufnahmen“, sagte Rainer Grett, einer der langjährigen Mitglieder der Fotogruppe, die sich jeden Montag im Backhaus in Bremthal trifft.
Gefragt wurde vor allem nach unterschiedlichen Techniken, etwa bei der Langzeitaufnahme der Frankfurter Skyline bei Nacht mit ICM-Technik von Karen Ehrenborg, ebenfalls neu in der Gruppe. Auch für die Nachbearbeitung am PC interessierten sich viele Besucher. Viele nahmen sich auch Zeit für die Diaschau am Rand der Ausstellung, in der die 13 Ausstellungsteilnehmer vorgestellt und weitere Fotos gezeigt wurden.
Nahezu seit Beginn der Fotogruppe – und die feiert, wie Sprecher Detlef Bömelburg in seiner Begrüßung andeutete im Herbst ihr 40-jähriges Bestehen – ist Winfried Schwolgin dem Club treu. Bis heute liebt er die Schwarzweiß-Fotografie und zeigte als gelungene Beispiele in der Ausstellung strudelnde Bäche mit filigranen Eiskristallen. Für das interne Sonderthema „Gold“ kolorierte er in der Nachbearbeitung am PC die kontrastreiche Schwarzweiß-Aufnahme einer Blüte mit goldenem Glanz.
Beim Sonderthema „Blaue Stunde“ feierten die Fotografen die Farbspiele der Namib, im Monument Valley oder auf dem Bad Camberger Marktplatz kurz vor Sonnenauf- oder untergang.
Makro-Aufnahmen von Wolfgang Krischka zeigten heimische Pilze aus ungewöhnlicher Perspektive: mal mit durchscheinenden, tropfnassen Lamellen von unten, mal im Moos eingebettet mit wie lackiert glänzenden Käppchen. Jörg Martin hatte den Kilimandscharo in Breitband auf Leinwand gebannt.
Neben den kontrastreichen, leuchtenden, oft der Vergänglichkeit entrissenen oder Architektur in Szene setzenden Motiven seiner Kollegen erschienen die Stillleben von Rainer Grett mit ihren erdigen Farben geradezu schlicht und unaufgeregt: Bücherständer aus grobem Holz vor einer sandfarbenen Lehmwand fotografierte er vor Jahren in einem Palast im Oman – und druckte sie jetzt statt auf Fotopapier auf echtem Leinen auf seinem Farbdrucker aus. Ein kulturübergreifendes, universell verständliches Plädoyer für das Buch.
Arnd Rödiger, auch einer der langjährigen Vertreter der Fotogruppe, hatte seine karikaturistischen Collagen in Handarbeit am PC ausgeschnitten und zusammengefügt. KI lehne er zur Bearbeitung ab, sagt der 86-Jährige, der ohnehin mehr auf Ausdruck als auf Technik setzt und, wie er sagt, „einfach gern experimentiert“. Seine erste Kamera bekam er mit 15 Jahren geschenkt und fotografiert fast schon sein ganzes Leben lang. In früheren Ausstellungen war er meist auch mit Fotos aus seinem Spezialgebiet „Unterwasserfotografie“ vertreten. Diesmal schöpfte er aus seinem unerschöpflichen Fotofundus, um zu zeigen, „dass man mit Fotografie auch Stellung beziehen kann“, etwa mit seinem Foto eines riesigen Graffity mit einem Wimmelbild zu „Freiheit“ und „Demokratie“, das er in Leipzig fotografiert und für die Ausstellung in viele kleine Quadrate zerschnitten hat – „in der Hoffnung“, wie er sagt, „dass die zerrissene Welt wieder zusammenwächst“.
„Ohne Worte“ heißt Rödigers Fingerzeig auf die naheliegenden Umweltsünden, eine Art Plakatvorlage über „Moderne Arteninvasion“ und „Naturschädigung“. Die Motive der einzelnen „Schädlinge“ wie den „knisternden Chipsling“, eine weggeworfene Chipstüte, den „zerknitterten Tüterich“ für eine Plastiktüte oder für einen Pappbecher den „Becherförmigen Pappling“, nahm er rund um Eppstein auf und reihte ihre Fotos wie auf einem Hinweisschild aneinander. „Ein bisschen Satire muss sein“, lautete sein Kommentar dazu.bpa
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