Mal sanft, mal rockig, mal mit Tempo, immer perfekt abgestimmt

La Serena begeisterte beim Auftritt in der Musikschule.Foto: Caren Lewinsky

La Serena begeisterte beim Auftritt in der Musikschule.Foto: Caren Lewinsky

La Serena lockte so viel Publikum ins Musikschulhaus am Herrengarten, dass am Ende sogar einige Gäste abgewiesen werden mussten. Am Sonntag bot das Orchester mit seinen acht Profimusikern ein überwältigendes musikalisches Erlebnis.

Die Flötistin Isabelle Bodenseh, Halbfranzösin, freiheitsliebendes Improvisationstalent und Jazzliebhaberin, begeisterte auf Block-, Alt-, Bassquerflöte und Piccoloflöte. Ulrike Jordan, Dozentin und Grundschullehrerin, glänzte mit den warmen Tönen der Oboe. Für die Eppsteinerin Hilde Singer-Biedermann war das Konzert nach langer Zeit wieder ein Heimspiel. Sie zauberte mit Violine und Viola virtuos einmalige Momente. Neben grandiosen Konzerten gibt sie Musikunterricht.

Als musikalisches Multitalent moderierte Tilman Jerrentrup mit Witz und Charme das Konzert und begleitete das Ensemble auf seinem Cello. Jürgen Volkmar spielte die Gitarre mit Präzision. Außer bei la Serena glänzt er in seinem Duo Twilight Project. Der Kontrabass zupfende oder streichende Frank-Willi Schmidt begeisterte das Publikum auch auf dem E-Bass. Rüdiger Schmidt bereichert als Komponist und Coach das Ensemble mit fröhlichen und besinnlichen Melodien auf dem Akkordeon. Für Rhythmus und Groove zuständig war an Drumset sowie Vibraphon Tobias Nessel. Er ist Dirigent und Leiter eines Musikschulorchesters der Musikschule Speyer. Neu bei La Serena war Lara, Singer-Biedermanns Tochter, die die Gruppe rhythmisch begleitete.

Tilmann Jerrentrup führte durchs Programm und gab einen kurzen Rückblick zum Ensemble La Serena, dessen Geschichte eng mit Eppstein verbunden ist. Nur ein kleiner Teil des Publikums erlebte La Serena an diesem Abend zum ersten Mal. Das erste Konzert fand 1999 in Eppstein statt. Seitdem gab es in der Burgstadt immer wieder einmal Auftritte. Der Moderator stellte die neuen Musiker und ihr neues Programm vor – ein Spagat zwischen den Genres.

Den Auftakt machte Folklore aus Irland mit spannenden Rhythmen. Es folgte ein Tango aus Südamerika, mit weichen Klängen der Violine, packendem Part der Flöte, sanft mitschwingender Oboe und dem zarten Zupfen der Gitarre, das die Zuhörer davonzutragen schien, während Akkordeon und Drummer immer schneller wurden. Beim folgenden Stück glänzte die Oboe mit malerischen Soli.

Das nächste Stück war eine Improvisation. „Wir fangen gemeinsam an, machen jeder viel zwischendurch und sind am Ende wieder zusammen“, erklärte der Moderator kurz und bündig. Bei den extrem schnellen Takten kamen Vibraphon und Tamburin zum Einsatz, die Flöte spielte irrwitzig hinein, während Bass, Violine und Akkordeon fantastisch aufgeregt begleiteten. Das Publikum war gefangen, Köpfe und Füße wippten mit, man hatte das Gefühl, aufspringen und tanzen zu müssen.

Die folgende Eigenkreation von Flötistin Isabelle war während Corona bei einer Autofahrt entstanden. So cruiste Isabelle mit ihrer beeindruckenden tiefen Alt-Querflöte und dem kleinen Orchester, gemeinsam mit den Zuhörern jazzig durch den Taunus.

Danach wurden drei Lieder vorgetragen von Jethro Tull, ein gewaltiges Epos mit Einsätzen sämtlicher Instrumente, unterschiedlichsten Tempi und Stilen. Den Auftakt zum malerischen ersten Teil markierte die Pikkoloflöte. Violine, E-Bass und Schlagzeug spielten den Übergang zum rockigen zweiten Teil. Das Publikum hielt sich mühsam auf den Stühlen. Beim dritten Stück wechselte die Flötistin von der Altquerflöte zur hohen Flöte, die Violine übernahm die Leitstimme und die Oboe den rockigen Part. Am Ende applaudierte der Saal unter Jubelrufen.

Während der Pause stärkten sich die Besucher mit Wein, Apfelsaftschorle oder Wasser. Am Ausschank standen die Kulturkreis-Macher Elisabeth Frake-Rothert, Ulrike Canthal und Manfred Sturm.

Nach der Pause kam Lara, die Tochter der Violinistin Hilde Singer-Biedermann, zum Einsatz. Sie verlieh den Werken, nun einem Largo, mit diversen Rasseln und der Triangel frische Farben. Danach spielte Tobi das Vibraphon mit vier Klöppeln. Das Stück „Daddycation“ begann mit melancholischen ruhigen Violintönen, die Oboe stimmte mit ein, danach die Flöte. Die Zuhörerinnen und Zuhörer wurden von einem groovigen Beat weitergetragen, bis das Stück nach einem fabelhaften Drum-Intro ein sanftes, aber munteres Ende fand.

Die Ankündigung des letzten Musikstückes des Abends entlockte den Besuchern lautes Bedauern. Bei einem schnellen Samba mit Triangel, übernahmen Flöte und Akkordeon die Leitung und alle harmonierten in schnellster Präzision. Zur Freude des Publikums spielten die Musiker den Libertango, bei dem nach und nach je zwei weitere Instrumente einfielen. Nach tosendem Applaus verabschiedete sich das Ensemble mit La Pulce d’Acqua.

Frake-Rothert und Musikschulleiterin Gesche Wasserstraß warben beim Abschied schon für die nächsten Musikereignisse des Kulturkreises: Die erste „Eppstein Session“ mit dem Musiker Tark Bowen am morgigen Freitag, 29. März, um 19 Uhr und „Jazz im Autohaus“ am 27. April um 11 Uhr, beides im Autohaus Gottron in Bremthal. ccl

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