Tarq Bowen setzt starkes Zeichen für echte, authentische Musik

Singer-Songwriter Tarq Bowen eröffnete die neue Reihe „Eppstein Sessions“ des Kulturkreises im Autohaus Gottron vor viel Publikum.Foto: Jonas Schönian

Singer-Songwriter Tarq Bowen eröffnete die neue Reihe „Eppstein Sessions“ des Kulturkreises im Autohaus Gottron vor viel Publikum.Foto: Jonas Schönian

Mit dem Auftritt des britischen Singer-Songwriters Tarq Bowen startete am vergangenen Samstag die neue Konzertreihe „Eppstein Sessions“ des Kulturkreises Eppstein. Der Zuspruch war enorm und das Autohaus Gottron so gut gefüllt wie selten – leere Plätze waren kaum zu sehen.

Die Atmosphäre war konzentriert und begeistert zugleich: Einige Zuhörer standen, die meisten nahmen auf den bereitgestellten Stühlen Platz und lauschten der Musik. Für das leibliche Wohl war ebenfalls gesorgt – Getränke gab es zum Selbstkostenpreis zwischen ein und zwei Euro. Auch der Eintrittspreis von 10 Euro war für diese zweieinhalbstündige, aber durchweg kurzweilige Veranstaltung mehr, als nur fair!

Tarq Bowen, der bereits mit Künstlern wie Rocco DeLuca oder Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason auf der Bühne stand, bot eine beeindruckende One-Man-Show: Mit Gitarre, Gesang und einer sogenannten Stomp Box – einem per Fuß bedienten Mini-Schlagzeug – erzeugte er einen vollen Live-Sound, ganz ohne Looper, Sampler oder Backingtracks.

Der sympathische Musiker präsentierte eine Auswahl aus den vergangenen 15 Jahren seines kreativen Schaffens. Seine Lieder bewegten sich stilistisch irgendwo zwischen Irish Folk, Country, Pop und Rock – dabei stets mit eigener Handschrift und viel Herz. Vergleiche mit Künstlern wie Frank Turner, Hozier, Ed Sheeran, Corey Taylor oder auch Meat Loaf drängten sich zwar auf, doch Bowens Musik blieb immer authentisch, nie kopiert.

Besonders auffällig war seine Stimme: Ob in hoher Kopfstimme oder tiefer Brustlage, ob sanft oder rau – Bowen überzeugte mit ausdrucksstarkem Gesang, gefühlvollem Vibrato und einer natürlichen Bühnenpräsenz. Zwischen den Songs sprach er humorvoll über seine Familie, seine Frau und seinen Sohn – die Liebe zu ihnen schwang nicht nur in seinen Worten mit, sondern war auch in der Musik spürbar.

Ein Lied kündigte er mit einem nachdenklichen Vergleich an: Die Sängerin Joni Mitchell habe ihren Song „Both Sides Now“ erst 30 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung wirklich verstanden – und deshalb später selbst neu interpretiert. „Jetzt bin ich alt genug, meine eigenen Songs zu singen“, folgerte Bowen sinngemäß. Einige seiner Stücke habe er in jungen Jahren geschrieben – doch erst als Vater erkenne er, was sie wirklich bedeuten.

Vor einigen Jahren trat Tarq Bowen noch im Frankfurter Club „Nachtleben“ vor 300 Zuhörern auf, bei einem Eintrittspreis von 18 Euro. Das sei für ihn damals der Moment gewesen, in dem er dachte: „Ich habe alles erreicht.“ Dann kam die Pandemie, gefolgt von der Diskussion um künstliche Intelligenz und automatisierte Kunstproduktion.

Heute sei er umso dankbarer für jedes Konzertpublikum, das sich bewusst für handgemachte Musik entscheidet. Ein Gefühl, das auch im Autohaus Gottron deutlich spürbar war – kaum ein Handy in der Luft, stattdessen echte Aufmerksamkeit für das, was auf der Bühne passierte.

Die Meinung einiger Zuhörerinnen und Zuhörer deckte sich mit unserem Reporter: Musiker wie Tarq Bowen, mit so viel Talent, Gefühl und Ausdruckskraft, können durch keine KI der Welt ersetzt werden. Gerade Künstler wie er zeigen, wie wichtig echte Musik und echte Stimmen weiterhin sind.

Mit diesem gelungenen Auftakt setzt der Kulturkreis Eppstein ein starkes Zeichen für mehr musikalische Vielfalt in der Region – und beweist, dass neue Formate auch in traditionsbewussten Strukturen Platz finden können. Weitere Termine der „Eppstein Sessions“ sollen folgen.Jonas Schönian

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