Steinmetze an St. Laurentius

Seit Monaten ist der Kirchturm von St., Laurentius eingerüstet.Foto: Beate Schuchard-Palmert

Seit Monaten ist der Kirchturm von St., Laurentius eingerüstet.Foto: Beate Schuchard-Palmert

In den vergangenen Monaten herrschte Winterpause auf der Baustelle an der St. Laurentius-Kirche.
Untätig waren die Steinmetze in dieser Zeit nicht:

In ihrer Werkstatt im Thüringischen Döbeln wurden Figuren für Wasserspeier, Maßwerk und andere Formen für die Brüstung der 1903 erbauten neogotischen Kirche nachgearbeitet. Auch an den Schalllöchern muss einiges Maßwerk erneuert und einige Eckquader im Mauerwerk ersetzt werden. Seit vorigem August wird die Fassade des Turms saniert. Wenn alle Ziersteine eingesetzt sind, wird die gemauerte Fassade wieder verputzt und erhält einen Anstrich in Alt-Weiß.

Aus Denkmalschutzgründen verwenden die Steinmetze den gleichen Naturstein wie ihre Vorgänger vor über 120 Jahren: Weichen Tuffstein für Figuren und feine Arbeiten, den härteren Trachyt für größere Formen. Seitdem auch die Nächte frostfrei sind, wird wieder am Turm selbst gearbeitet. Mindestens 5 Grad muss die Oberfläche warm sein, bevor der Naturstein mit Mörtel eingearbeitet werden kann.

Bis Sommer haben die Handwerker noch am Turm zu tun. Die größten Schäden seien an der Brüstung zu beheben, so der zuständige Architekt Hermann Alt aus Oestrich-Winkel. Dort musste voriges Jahr gehandelt werden, weil Steine herunterzufallen drohten. Die Turmhaube ist intakt, außer der Regenwasserableitung zur Brüstung müsse da nichts gemacht werden. Auch rund um Sanierungsarbeiten am Turm aus früheren Jahren habe man Schäden entdeckt, die jetzt beseitigt werden. Damals verwendeten die Architekten häufig Kunststein, der aber weitgehend aus Beton besteht. An den Stellen, wo dieser Steinersatz eingebaut wurde, muss inzwischen nachgearbeitet werden, weil Beton anders als der Naturstein keine Feuchtigkeit aufnimmt und an den Übergängen neue Schäden entstanden sind. Der für filigrane Formen verwendete Tuffstein lässt sich sehr gut bearbeiten, da er sehr weich und porös ist, dafür ist er anfällig für Witterungsschäden. Dass Abgase und Luftverschmutzung dem Stein zugesetzt haben, kann Architekt Hermann Alt nicht ausschließen.

Turm-Sanierung kostet 750 000 Euro

Der Architekt glaubt aber, Luftverschmutzung sei im Taunus kein sehr großes Problem für den Stein. Frost und Feuchtigkeit dagegen schon. Auch Wind und Wetter setzen dem Tuff mehr zu als dem härteren Trachyt.

Dennoch muss nach Vorgabe des Denkmalschutzes die gleiche Gesteinsart wie im Original wieder verwendet werden. Der Architekt ist sich jedoch sicher: „Wenn wir dort fertig sind, halten unsere Arbeiten wieder mindestens 50 Jahre und länger.“ Das Architekturbüro aus Oestrich-Winkel hat Erfahrung in Kirchensanierung und betreute schon 2016 die Dach- und Turmsanierung der Talkirche.

Rund 750 000 Euro kostet voraussichtlich die Sanierung der Brüstung an St. Laurentius und der Turm-Fassade, berichtet Yvonne Giesen, die Verwaltungsleiterin der Pfarrei St. Elisabeth.

Für die Verwaltungsleiterin ist die Turmsanierung nur eines von vielen Projekten. Aktuell leitet sie einen Arbeitskreis mit Vertretern aller zwölf Ortsgemeinden der Pfarrei Hofheim, Kriftel, Eppstein. Darin wird bis Ende dieses Jahres ein Gesamtkonzept erstellt, welche Immobilien die Pfarrei künftig weiter erhält und welche verkauft werden müssen.

Insgesamt stehen 49 Gebäude zur Disposition, darunter etliche Kirchen, Pfarrhäuser und Gemeindehäuser, auch in Eppstein. Damit will das Bistum auf die sinkenden Mitgliederzahlen und schwindende Einnahmen in den kommenden Jahren reagieren. bpa

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